Slide 1
previous arrow
next arrow

100 Jahre Café und Conditorei Glaubach

Die Conditorei Glaubach blickt im Jahr ihres hundertjährigen Bestehens auf eine bewegte Familien- und Unternehmensgeschichte zurück, die eng mit der Stadt Bensheim verbunden ist. Über drei Generationen hinweg wurde das Unternehmen von handwerklichem Können, Mut, Unternehmergeist und familiärem Zusammenhalt geprägt.

Die Anfänge

Am 1. August 1926 gründete Konditormeister Paul Glaubach das Konditorei-Café Glaubach in der damaligen Hindenburgstraße 13, der heutigen Bahnhofstraße.

Sein beruflicher Weg hatte bereits im Oktober 1913 mit einer Ausbildung zum Koch und Konditor im elsässischen Hagenau begonnen. Die Gesellenprüfung legte er in Straßburg ab. Nach dem Besuch der Fachhochschule für Konditoren in Stuttgart bestand er am 30. Oktober 1924 vor der Handwerkskammer Stuttgart die Meisterprüfung.

Anschließend sammelte Paul Glaubach Erfahrungen in renommierten Konditoreien in Hamburg, Gießen, Saarlouis, Wiesbaden, Mainz und Worms. Zuletzt leitete er als Meister die Goldkreuz-Keksfabrik von Eugen Röcker in Ober-Ramstadt.

Am 24. September 1927 heiratete Paul Glaubach Josefa Herke. Von da an führten beide gemeinsam Café und Konditorei. Die Backstube befand sich zunächst in den Räumen der ehemaligen Metzgerei Sauter in der Rodensteinstraße, bevor sie in das Geschäft in der Hindenburgstraße verlegt wurde. Dort arbeiteten zwei Gesellen und ein Lehrling.

Josefa Glaubach übernahm den Verkauf und die Bewirtung im Café, das damals etwa 25 bis 30 Sitzplätze bot. Neben Torten und feinem Gebäck stellte die Konditorei auch Eisbomben und Spezialitäten für große Gesellschaften her. Paul Glaubach galt als humorvoller und beliebter Konditormeister, der einen engen Kontakt zu seinen Kundinnen und Kunden pflegte.

Kriegsjahre und Neuanfang

Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch in der Konditorei Glaubach deutliche Spuren. Paul Glaubach wurde zunächst zum Westwall und gegen Ende des Krieges zum Volkssturm eingezogen.

Am 2. Februar 1945 beschädigte die Explosion einer Luftmine am heutigen Beauner Platz das Geschäft und den Laden schwer. Die großen Schaufensterscheiben zerbarsten. Beim Einmarsch der amerikanischen Truppen am 27. März 1945 wurde das Geschäft geplündert.

Nach Kriegsende machte sich die Familie mit großem Einsatz an den Wiederaufbau. Paul Glaubach bemühte sich, von seinen Lieferanten wieder Mehl, Zucker und andere dringend benötigte Rohstoffe zu erhalten, um den Betrieb fortführen und den Lebensunterhalt der Familie sichern zu können.

Das Obst für die Kuchen wurde selbst eingekocht. Für die amerikanischen Soldaten stellte die Konditorei außerdem dreistöckige Torten sowie Spezialitäten wie Hotdogs und Rolls her. Bezahlt wurde häufig in Naturalien.

Mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 verlor die Familie ihr angespartes Vermögen. Dennoch führte sie den Betrieb weiter und bewies damit erneut ihren Mut und ihre Tatkraft.

Übergang an die zweite Generation

Am 10. Oktober 1957 verstarb Paul Glaubach an den Folgen einer Krebserkrankung. Seine Witwe Josefa führte das Geschäft zunächst gemeinsam mit ihren drei Kindern weiter.

Um den Fortbestand des Betriebs zu sichern, legte Paul Glaubach junior bereits am 31. Juli 1958 im Alter von 19 Jahren als einer der jüngsten Gesellen vor der Handwerkskammer Darmstadt die vorgezogene Meisterprüfung ab. Bis März 1963 führte er das Geschäft gemeinsam mit seiner Mutter in der Bahnhofstraße 13.

Am 2. April 1964 zog der Betrieb in die Bahnhofstraße 26 um, nachdem dort zunächst ein neuer Verkaufsraum eingerichtet worden war. Am 16. September 1966 heiratete Paul Glaubach junior Inge Roßmann. Sie hatte bereits vor der Eheschließung im Verkauf gearbeitet und war anschließend auch in der Backstube tätig.

Ein neues Kapitel am Wambolder Hof

1976 bewiesen Inge und Paul Glaubach erneut Mut und Unternehmergeist. Sie bauten ihr eigenes Haus am Wambolder Hof 2 und mieteten das dortige Café von der Stadt Bensheim. Zum Hessentag wurde das neue Café eröffnet.

Was damals als eher unschöne Ecke wahrgenommen wurde, entwickelte sich durch das Engagement der Familie zu einem besonderen Ort in der Bensheimer Innenstadt.

Einige Jahre lang bewirtschaftete die Familie Glaubach während des Winzerfests außerdem die Bucht, in der sich heute der „Blaue Aff“ befindet. Damit war sie auch eng in das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Stadt eingebunden.

Christina Glaubach

Die dritte Generation

Am 2. Juli 1967 wurde Tochter Christina geboren. Nach dem Besuch der Liebfrauenschule entschied auch sie sich für den Konditorberuf.

Ihre Ausbildung absolvierte sie im elterlichen Betrieb. Anschließend sammelte sie als Gesellin Berufserfahrung in der Schweiz sowie in renommierten Hotels in Deutschland, darunter im Hilton in Mainz und im Hotel Überfahrt in Rottach-Egern.

Am 28. Januar 1993 bestand Christina Glaubach in Heidelberg die Meisterprüfung. Damit war bereits die dritte Generation der Familie im Unternehmen vertreten.

Abschied und Neuanfang

Im Jahr 2005 musste das Geschäft aus familiären Gründen geschlossen werden. 2010 verstarb Paul Glaubach junior.

Die Geschichte der Familie und ihres traditionsreichen Handwerks ging jedoch weiter. 2013 eröffnete Christina Glaubach einen kleinen Laden in der Gerbergasse und knüpfte damit an die langjährige Familientradition an.

Trotz der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie kehrte sie 2022 zum Wambolder Hof zurück. Dort bewirtschaftet sie bis heute Café und Konditorei und führt die über Generationen gewachsene Tradition fort. Jahre Bensheimer Geschichte.

100 Jahre Bensheimer Geschichte

Die Geschichte der Konditorei Glaubach zeigt eindrucksvoll, wie handwerkliche Qualität, familiärer Zusammenhalt und die Bereitschaft zum Neuanfang auch schwierige Zeiten überdauern können.

Von den Anfängen in der damaligen Hindenburgstraße über die Kriegsjahre, den Wiederaufbau und den Generationswechsel bis hin zum Neuanfang am Wambolder Hof zieht sich ein roter Faden durch ein ganzes Jahrhundert: die Liebe zum Konditorhandwerk und die enge Verbundenheit mit Bensheim.

100 Jahre Café und Konditorei Glaubach sind deshalb nicht nur 100 Jahre Firmengeschichte, sondern auch 100 Jahre Bensheimer Geschichte.